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Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

Einen Tag nach der Beedigung meiner Mutter kam der Film „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ im TV. Hin und her habe ich mir überlegt, ob ich mich so schnell über einen Film tatsächlich mit diesem Thema auseinandersetzen kann. Alles ist noch frisch, alles tut weh und immer wieder war „habe ich genug für sie getan“ in meinem Kopf.

Dierser Film half mir dabei. Eine intelligente, noch junge Frau, konnte sehr gut erklären (in ihren guten Phasen) wie sich die schlechten Phasen und Situationen anfühlen. Der Zuschauer konnte sich einfühlen und sich selber in Frage stellen mit seinem Verhalten und seinen Reaktionen. Die Erklärung dieser geistreichen Frau, deren Leben um Kommunikation und um Wissensvermittlung ging, für die in schlechten Zeiten Worte einfach nicht greif- und nutzbar waren, obwohl das eines der wichtigsten Dinge in Ihrem Leben war, machte klar, in welcher schwierigen Situation ein Demenzeerkrankter sich befindet.

Die Verzweiflung, das Badezimmer nicht mehr zu finden oder einfach ein wirres Verhalten an den Tag zu legen und dieses aber noch zu registrieren; nicht aber verändern zu können. Mutti sagte immer: „Ich vergesse so viel – ich werde so vergesslich!“ ist doch nicht schlimm – wir denken nun für Dich mit…..

Dieser Film ermöglichte mir eine Rückbetrachtung meines Verhaltens und gab mir eine ganz besonders große Beruhigung: die nämlich, zu wissen, dass ich genau das richtige getan habe. Sie wurde betreut, von mir, als das nicht mehr ausreichte, weil 24 Stunden-Bereitschaft und das nicht erkennen der eigenen Gesundheitseinsicht als Angehörige nicht mehr geleistet werden konnte, durch ein Pflegeheim. Genau das war nötig, weil sie nun nicht mehr erkennen konnte krank zu sein. Sie wusste nicht mehr, dass sie nicht mehr Laufen kann und den Rollstuhl benötigt.

Ich habe irgendwann aufgehört dem gesprochenen Wort Bedeutung zu geben. Die täglich wieder kehrende Frage: „wie weit fährst Du zu mir“, habe ich jedesmal in selbiger Form beantwortet, auch wenn diese hunderte von Malen kam. Es war eine Frage, die sie eben jeden Besuch von mir beschäftigte. Ich konnte für sie sorgen, Lieblingsspeisen mitbringen oder Umsicht zeigen. Was sie mochte konnte sie mir nicht mehr sagen, ich musste aus Erfahrungen hantieren und aus ihrer Vergangenheit. Oft sagte sie „nein“ zu einem Geschenk, wenn ich sie danach fragte – als es auf dem Tisch stand wurden die Augen groß und glücklich. Mit dem Wort – der Bezeichnung – konnte sie nicht viel anfangen…. aber mit dem „Ding“ ohne Namen, das brachte glückliche und alte Erinnerungen zurück.

Ich konnte Abschied nehmen – ohne Worte – sie war zu schwach für ein Gespräch, ich konnte den Arm streicheln, die Backe, neben ihr sitzen, etwas zu trinken geben und einfach „da sein“. Verstanden hat sie vielleicht weder die Worte noch die Situation. Eines aber hat sie verstanden: ich war da und ich war ich liebevoll gesinnt……

Dieses Drama von Richard Glatzer und seinem Ehemann Wash Westmoreland nahm die Grundlage des  gleichnamigen Romanes der 1970 geborenen Neurologin Lisa Genova, was 2007 deren Debüt als Romanautorin darstellte. Dieses doch so schwere – und für sehr, sehr viele Menschen das Leben begleitetende Thema war über 40 Wochen in der Rubrik „Roman“ auf der Bestsellerliste der New York Times. Es wurde in über 30 Länder verkauft und in mehr als 20 verschiedene Sprachen übersetzt. Auch wurde Still Alice 2013 von Christine Mary Dunford für die Bühne adaptiert.

Ein Film, der Angehörigen wie mir helfen konnte die Welt der Demenz zu betreten ohne von ihr aufgefressen zu werden. Die gute schauspielerische Darstellung ermöglicht die Familienproblematiken zu erkennen, die sich im Rahmen einer solchen Krankheiten aufzeigen. Als Betrachter kann es einem einfacher gelingen die eigenen Verhaltensweisen zu ändern … Der Film hilft begreifen, was an der Demenz nicht zu begreifen ist….

                   

 

Dieser Beitrag wurde am 25. Mai 2017 in Allgemein veröffentlicht.

Sie stürzt immer an Tagen, an denen bei mir wichtiges ansteht

Bewußt ist es sicher nicht, aber im Gespür dürfte sie haben, wenn ich mehrere Tage nicht ins Pflegeheim komme, dass etwas besonderes ansteht.

Es ist nahezu egal, ob es ein erster Arbeitstag ist, ein Probearbeiten, die Auflösung ihrer Wohnung oder die Räumung: an allen diesen Tagen stürzt sie.

Ich bin berufstätig, habe viele Schreibereien und auch noch hunderte von Kilometern im Monat um alles zu regeln, da kann ich nicht auch noch ständig im Pflegeheim aufschlagen. Genau das scheint sie zu merken. Ob sie es tut um Aufmerksamkeit und Besuch zu erhalten, oder einfach nur so, kann ich nicht beurteilen, Fakt ist: an und zu jedem wichtigen Termin stürzt sie! Nächste Chance wäre ihr Geburtstag nächste Woche….

Dieser Beitrag wurde am 1. April 2017 in Allgemein veröffentlicht.

Zimmer im Pflegeheim

Nachdem nun meine Mutter zum Pflegefall wurde komme ich mit meiner Gesundheit auf „den Felgen daher“. Die absolute Krönung hat mir und meinen Knochen das Beisein bei der Nachuntersuchung des Oberschenkelhalsbruches meiner Mutter serviert. Ich musste einige Stunden stehen um darauf zu achten, dass sie nicht unversehens aufsteht und wieder einmal stürzt … und nun kann ich nicht mehr richtig krabbeln weil die eigene Arthrose nun in die Gelenke schießt. Auch dadurch verursacht, dass ich die Wohnung meiner Mutter räume um diese zu vermieten.
Sie ist trotz Rollstuhl immer noch der Meinung laufen zu können, aufstehen zu können und alles selber tätigen zu können. Also ist sie mal lässig aufgestanden, alleine zur Toilette gegangen und hat sich dabei mal kurz die Hüfthosen besser gesagt die Hüftprotektoren (die eben zum Schutz vor einem Oberschenkelhalsbuch angezogen worden waren) ausgezogen und ist gestürzt.

Selbstverständlich brachte der Aufenthalt im Krankenhaus ein erneutes Rückfallen der geistigen Fähigkeiten, von denen sie sich auch jetzt, 6 Wochen nach dem Bruch, noch nicht erholt hat.

Da sie immer von Schmerz spricht wurden ihre Schmerzmittel konstant erhöht. Meine Aussage, dass der Rücken meiner Mutter schmerzt, nicht aber der Oberschenkelhalsbruch wurden nicht so ganz für wahr genommen, besser gesagt nicht vom gesamten Personal.

Nunmehr ist meine Mutter aber sehr schläfrig und das Personal muss ihr das Essen reichen und meine Argumente wurden interessanter. Seit nunmehr 3 Wochen wird vom Hausarzt versucht, die Medikamente wieder zu reduzieren.
Daran liegt eben die große Schwierigkeit: ein Mensch spricht von Schmerzen und kann sich nicht mehr genau definieren (wobei sie mir gegenüber immer ganz klar sagte „die Schmerzen sind im Rücken, nicht im Bein“.

 
Viel helfen kann ich ihr nicht – eigentlich sollte ich mir lieber versuchen selber zu helfen 🙁
In jedem Fall hatte ich ihr vor Weihnachten ihren Weihnachtsbaum und ihre Krippe gebracht, welche nun wieder bei mir warten, bis ich sie im nächsten Jahr wieder ins Heim bringen werde.

Auch habe ich auf das Drängen meiner Mutter in Ihrem Zimmer ein Telefon installieren lassen. Jedoch mit dem Hinweis, bitte meine Rufnummer nicht im Zimmer zu hinterlegen. Im vergangenen Pflegeheim ereilten mich oftmals 30 Anrufe am Tag. Sie konnte sich an die vorangegangenen 29 einfach nicht mehr erinnern.

Mittlerweile habe ich in Ihr Zimmer ihre Ölgemälde gebracht, die nun auch an den Wänden hängen, demnächst hoffentlich mal die Fotos.

Mittlerweile wurde schon eine Mitbewohnerin meiner Mutter in deren Bett erwischt „Ach hier ist es so schön, ich bleibe hier!“, meinte die ältere Dame 🙂

Dieser Beitrag wurde am 30. März 2017 in Allgemein veröffentlicht.

Demenz unterschätzt für Pflege zuhause

Hätte ich gewußt, was auf mich zukommt, ich hätte es mir zum Selbstschutz nicht antun dürfen. Über drei Tage Urlaub bei mir konnte meine Mutter doch durch viel (inhaltsloses) Gerede manches kaschieren. Oftmals war sie drei Tage hier bevor ich mich entschloss sie bei mir zu pflegen und aus dem Heim zu holen.

Allerdings ist der Stand der, dass sie nur den Antrieb hat zu laufen um an Essen zu gelangen. Für alles andere, was es geben könnte, gibt es von ihrer Seite kein Interesse.

Sie stürzte kam für ein paar Tage ins Krankenhaus und war einige Zeit inkontinent (ich aber musste meinen Arbeitsalltag dennoch zu 100 % über 40 Stunden die Woche bewältigen). Gelassen ließ sie alles in die Hose gehen. Mittlerweile erkennt sie nun manchmal wenn sie auf die Toilette muss, ist jedoch nicht mehr in der Lage die Vorgänge alle durchzuführen geschweige denn, sich die Hände zu waschen.

Durch die Inkontinenz und die notwendigen Einlagen hat sich ein Pilz entwickelt, den ich nun mehrfach am Tag behandeln muss. Ein zeitaufwendiges Unterfangen weil die Frau erst ins Bett gebracht werden muss, zum öffnen der Beine bewegt werden muss, damit ich waschen und abtupfen kann. Dann muss noch die Creme angebracht werden und die Dame dann wieder aus dem Bett transferiert werden.

Dem Pflegedienst (bestimmt auch demnächst dem MDK) erzählt sie, dass sie alles alleine kann, und verweigert Haare waschen und Zähne putzen. Wobei sie im Regelfall keine 2 m ohne Pause gehen kann und sich nicht einmal merken kann ob sie Zähne geputzt hat oder nicht.

Auch ist ihr Hirn nicht mehr in der Lage Bezeichnungen (Nektarine, Wurstsorten ect.) zuzuordnen und gibt Lapidarantworten, die im Gegensatz zu den Handlungen stehen. Sinnlos also zu fragen „Willst Du eine Nektarine?“ Sie sagt „Nein danke“ und schlingt sie doch hinunter wenn sie diese geschnitten und portionsweise vor sich stehen hat.

rutschsichere Socken gegen Sturzgefahr

Leider haben unsere dementen Angehörigen oftmals einen schier unstillbaren Wandertrieb. Bei meiner Mutter ist dieser zwar recht kurDazfristig, da sie auf Grund von Herzproblemen sehr kurzatmig ist. Für einen Sturz reicht aber schon ein Kurzausflug.

sockenUm – speziell nachts – diese Gefahr etwas zu reduzieren habe ich ihr rutschsichere Socken mit Noppen besorgt. Dadurch hat sie einen etwas besseren Halt und die Gefahr ist ein kleines bischen reduziert. In Supermärkten habe ich sie oftmals in der Weihnachtszeit bekommen – nun aber, im August 2016, habe ich diese Socken gegen Sturzgefahr über Amazon bezogen.

Dieser Beitrag wurde am 19. August 2016 in Allgemein veröffentlicht.

Kommunikation mit Demenzkranken

ist alles andere als einfach. Gerade dann, wenn diese Leute – wie meine Mutter – unzufrieden sind ohne Ende (sie spürt ja selber, dass nichts mehr so geht wie sie möchte..)

Am Besten ist es, wenn es uns Angehörigen gelingt Augenkontakt aufzubauen und das negative (welches wir so und so nicht ändern können) einfach zu überhören und versuchen so freundlich wie möglich zu sein. Es gab schon Tage von Ausrastern bei mir, da dachte ich „Nein, so geht das alles gar nicht.“

Am besten ist ein Augenkontakt auf gleicher Höhe um überhaupt als Angehöriger sehen zu können ob der Betreffende uns wahr nimmt. Kurze Sätze – am besten ohne Stimmungsschwingungen die auf Emotionen zurückführen lassen. Sei es a) um den Angehörigen nicht zu überfordern; meiner Meinung aber auch um keine Möglichkeit zur Manipulation zu geben.

Die Aussagen von Demenzkranken sind mit Vorsicht zu betrachten, da sie oftmals nicht mehr das gesamgte Vokabular zur Verfügung haben. Wenn sie sagen, sie wollen eine blaue Jacke, so können sie auch die weiße meinen – aber das Wort weiss nicht mehr kennen. Im Zweifelsfall also zeigen und am Besten nicht wählen lassen; sonst sind sie wieder überfordert. Weiße Jacke zeigen und fragen „die“. Der Betreffende kann immer noch sagen die andere…. Ansonsten ist unsere Fantasie gefragt.

Schwieriger ist es in Sachen Unzufriedenheit und motzen. Ich versuche nun das ganze spielerisch zu sehen, je mehr sie schimpft, desto weniger darf das bei mir ankommen. Sie ist eine arme Seele, von der ich mir aber mein Leben nicht negativ beeinflussen lassen darf. Meine alte Katzendame ist gestern erstmals gesundheitlich wieder in der Lage gewesen auf mein Bett zu springen! Toll!!!! Mein junger Teeanger Speedy kam heute nacht ins Haus, obwohl er sonst gerne nachts draußen ist, freut mich 🙂 Und meine Orchideen blühen fast alle… Gut gepflegt von mir also!

Meine Mutter, die wieder versucht mir klar zu machen, dass der Ohrstöpsel des Funkkopfhörers weh tut überhöre ich „einfach“ und gebe den Kommentar „es geht nicht anders (warum und wieso darüber debatiere ich nicht mehr).

So so, dass Essen schmeckt nicht besonders. Dumm gelaufen! Da es ihr aber schon immer bei anderen nicht geschmeckt hat ist das ja nichts neues und wird bei mir unter „Alltag“ abgelegt. Nachdem sie jede Menge Obst verdrückt und hart gekochte Eier gibt es ja wohl doch noch das eine oder andere, was ihr schmeckt. Der Rest darf nicht mein Problem sein …. Wer schon immer Einladungen zum Essen in Gaststätten abgelehnt hat und Mitbringsel von anderen als „igitt“ bezeichnet hat, der wird sich kaum im Alter ändern….

Aber, im Vertrauen gesagt: Geschmäcker sind verschieden, und die Gerichte meiner Mutter sprechen mich ebenfalls nicht an. Allerdings koche ich ihr eben ihre Kartoffeln und versuche diese Wünsche für sie einzubauen. Bisher habe ich ihr die von mir bevorzugten Nudeln erspart, mal sehen, ob sie diese isst, wenn sie auf dem Tisch stehen werden.

Dieser Beitrag wurde am 31. Juli 2016 in Allgemein veröffentlicht.

Schutz vor dem – eigenen – Aussperren

Ich lebte lange Jahrer alleine und schloss die Tür immer von innen ab, auch mit dem Hintergrund, den Schlüssel immer sofort zu finden 😉

Nun aber wird meine ältere Mutter bei mir leben und es erscheint mir super wichtig, dass sie sich nicht einschließt und ich selber nicht mehr ins Haus – und somit auch zu ihr – komme.

Damit ich immer – auch bei einem Notfall – in mein Haus kann bot sich dieser Zylinder mit Drehknauf an. So lässt sich die Tür, auch wenn sie verriegelt ist, immer von außen aufschließen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir zum Verriegeln von Innen keinen Schlüssel mehr benötigen, sondern dies einfach durch drehen des Knaufes tun können.

Eine sehr gute Lösung, die mich beruhigt. Der Tip kam von einem Schlüsseldienst, wo der Inhaber seinen gesamten Laden so eingerichtet hatte.

Da ich selber ein Verwaltungsdepp bin habe ich einen Fachmann engagiert, da bei mir auch das Schloss selber ausgetauscht wurde. Allerdings kann Otto-Normalverbraucher (der/die geschickter ist als ich) das locker selber tätigen. Es sind tatsächlich nur ein paar Schrauben anzubringen bzw. im Vorfeld das Abmessen des Schlosses, um das passende neu einsetzen zu können.

knaufMan/Frau löst für das Anbringen des Knaufes nur seitlich im Schließblech der Tür eine Schraube und kann dann den Zylinder bei richtiger Schlüsselstellung (geht einfach durch Ausprobieren) locker herausziehen.
Es empfiehlt sich den alten Zylinder einmal zu ziehen, um die richtige Länge zu ermitteln, bei mir war das wie hier angegeben:
Z(ylinderlänge):40mm/K(nauflange):40mm, was sich auf die jeweilige Länge ab Verriegelungsbolzen bezieht.

So gibt es auch kein leidiges eigenes Aussperren mehr, weil der Schlüssel von innen steckt und der Ersatzschlüssel deshalb von außen die Türe nicht aufschließen kann. Auch eine super Idee, wenn ein Raum nur mal kurz verlassen wird, wie ein Kellerraum. Damit mir die Türe nicht ins Schloss fällt, wenn ich mal aus dem Haus gehe, dann drehe ich von innen den Knopf zwei Mal. Das Schloss ist somit außen und die Türe kann nicht ins Schloss fallen.

Erhältlich sind die Profil-Knaufzylinder unter anderem hier.

Dieser Beitrag wurde am 12. Juli 2016 in Allgemein veröffentlicht.

Demenzkranker waschfaul oder….

Meine Mutter war immer recht reinlich und hat sich regelmässig gewaschen. Nun hatte ich sie einige Nächte bei mir und irgendwie hat das nicht geklappt.

Klar: sie hat weder einen Bezug zu flüssiger Cremeseife (wie diese bei mir im Bad steht) noch zum Waschen unter fließendem Wasser. Sie ist ihre Waschschüssel gewöhnt, zumindest aber den Stopfen im Waschbecken zu befestigen um kein Wasser zu verschwenden. Letzteres geht aus technischen Gründen an meinem Waschbecken im Bad nicht. Zugeben wäre zu viel verlangt. Im Regelfall weiß ein Dementer dass er/sie Defizite hat und versucht so wenig wie möglich darauf hin zu weisen dass die eine oder andere Sache ihm/ihr schwer fällt.

waschschSomit habe ich eine Baby-Waschwanne besorgt und werde ihr auch ein Stück Seife dazu legen. Mal sehen, ob es dann besser funktioniert.

Ich hätte mich wirklich über mich selber ärgern können, dass ich nicht sofort auf diese Idee gekommen bin. Aber ich gehe einfach davon aus, dass Menschen Wünsche und Fragen äußern können. Dabei vergesse ich aber immer wieder dass es sich um eine ganz andere Generation handelt. Zudem ist diese Situation der Veränderung auch nicht einfach zu verkraften.
Wir werden auch sehen, ob sie das Badezimmer bevorzugt, oder einfach ihren Hocker (Badetuch drauf) in Ihrem Zimmer.

Fazit ist: ganz wichtig ist zu überlegen was der Angehörige für Angewohnheiten in den letzten Jahren hatte um zu versuchen diese „nachzuspielen“ oder so ähnlich wie möglich aufzubauen. Wie mir das alles gelingen soll ist mir noch nicht ganz klar ….

Ich versuche die Kleidung meiner Mutter immer am selben Platz zu belassen (damit sie diese wieder findet).
Die Unterwäsche tausche ich einfach aus, damit das schmutzige Stück in die Waschmaschine kommt und das benutzte an selbiger Stelle liegt.
Kleidung am Besten ohne Knöpfe, Reißverschlüsse oder ähnlichem Geschnörkel um nicht noch mehr zu verwirren.
Wenn eine Vorliebe für spezielle Kleidung besteht am besten dieses Kleidungsstück nochmals besorgen, falls möglich.

Dieser Beitrag wurde am 12. Juni 2016 in Allgemein veröffentlicht.

Demenz ansprechen oder nicht?

Meine Mutter kam am 19. Januar verwirrt ins Krankenhaus. Dort wurde es immer schlimmer und eine Heimkehr nach Hause erschien dem Sozialdienst unmöglich. Ich entschied mich fürs erste für ein Pflegeheim in meiner Nähe.

Dort angekommen stellte sie wohl fest, dass manche Leute ganz nett wären, aber sie wolle nach Hause. Sie habe doch eine schöne Wohnung und außerdem will sie zu ihrem Kater. Sie war böse, sie war bockig, sie war traurig: sie wollte weg.

Ich habe ihr immer „nur“ gesagt, dass sie hier sei weil sie nicht stabil laufen kann und es einfach zu gefährlich für sie in ihrer alten Wohnung wäre. Ich wollte sie schonen und nie erwähnen dass sie dement sei. War das doch ihre größte Angst, zu werden wie ihr Vater, der die Anfangsdemenz leider bekam.

Sie war böse, sie hatte Verschwörungstheorien und brachte mich nahe an den Wahnsinn. So lange, bis ich nicht mehr konnte (was mir in den vergangenen Monaten oft passiert ist). Ich fuhr nach einem der Telefonate in welchem sie mir wieder alles mögliche gegenüber einer Bekannten  unterstellt hatte, zu ihr hin. Sie sagte nämlich einen „Schlüssel“satz: „Ich verstehe nicht, warum ich keinen Schlüssel mehr zu meiner Wohnung habe“.

Nein, wie sollte sie das auch verstehen? Denn ich habe ihr das nicht gesagt – natürlich auch sonst niemand…. warum auch, wollten wir sie doch schützen…..

Ich habe versucht alle meine Ruhe zusammen zu nehmen um ihr zu erklären, dass sie vergesslich geworden ist, was man/frau ja im Alter darf. Deshalb darf sie auch nicht mehr nach Hause und deshalb hat sie keinen Wohnungsschlüssel mehr. Wir alle wollen ja nicht, dass sie plötzlich verschwindet und ihr etwas passiert…..
Ich sagte nicht „Du bist dement“. Ich sagte ihr, dass sie vergesslich wird und Probleme hat sich manches zu merken, sie sei zuweilen verwirrt und deshalb benötige sie Hilfe.

Anfänglich war sie nicht erfreut und wehrte sich mit Worten. Zunehmend aber fand sie sich besser ein. Vielleicht deshalb, weil sie nun zugeben durfte etwas zu vergessen. Weil sie nun nicht mehr die starke markieren musste (was mit Sicherheit viel Kraft kostet). Ab dem Zeitpunkt wurde sie umgänglicher…..

Dieser Beitrag wurde am 13. Mai 2016 in Allgemein veröffentlicht.

Hallo Angehörige

…. während ein Demenzkranker sehr oft sucht, so versucht ein Angehöriger oft zu helfen und den richtigen Weg für seinen Angehörigen, Freund oder Partner zu wählen.

Oft weiß man/frau nicht was der „richtige“ Weg ist bzw. der gewünschte Weg ist oder erscheint als nicht realisierbar Mich selber traf fast der Schlag als meine Mutter, die wohl mit über 80 vergesslich wurde, plötzlich aus der Bahn geworfen wurde. Gestern noch selber mit dem Auto einkaufen fahren und soweit „alles im Griff“ war heute alles anders.

Abends in die Badewanne gegangen, aus eigenen Kräften nicht mehr herausgekommen und nur durch einen glücklichen Zufall gefunden worden, so war der Anfang des Horrors. Eine Nachbarin rief den Rettungswagen. Dessen Besatzung wollte sie, zumal sehr verwirrt da sie eine Nacht in der Badewanne verbracht hatte, zur Sicherheit im Krankenhaus untersuchen lassen.

Im Krankenhaus verlor sie komplett alles was bis heute für sie logisch war. Hier waren lauter fremde Menschen, eine fremde Umgebung, der Schock der vielen Stunden in der Badewanne und die schlechte Versorgung im Krankenhaus ergaben eine Verwirrtheit, bei und von der mich der Schlag traf. Vom Krankenhaus  – dem Sozialdienst – wurde mir klar mitgeteilt, dass ein weiterer Aufenthalt meiner Mutter in deren Wohnung nicht mehr möglich sei.

Ich habe die Betreuung übernommen (vormals noch ohne Vollmachten) um zu verhindern, dass sie durch einen gesetzlichen Betreuer ins nächstbeste (sagen wir lieber: nächstschlechteste) Heim abgeschoben wird.

Nun ging der Horror los: nach meiner Mutter im Krankenhaus sehen (da das Personal dort in allem überlastet war) ein Heim für die Stabilisierung suchen, den Kater versorgen, die Kranken- bzw. Pflegekasse kontaktieren und das alles mit den Belastungen des schlechten Gesundheitszustandes und nächtlichen Anrufen ob lebenserhaltende Maßnahmen gewünscht werden oder nicht…..

Hier will ich für jene, denen es ähnlich geht wie mir, versuchen meine Erfahrungen einzubringen um es meinen Mitmenschen eventuell etwas leichter machen zu können.