Eigentlich dachte ich „Nein“, das Hirn funktioniert ja nicht mehr einwandfrei und solche komplizierte Gedankenvorgänge erschienen mir unmöglich. Aber….
Meine Mutter ist schwerhörig und behauptet der Kopfhörer (ohne Kabel, Senheiser, rund 200 Euro) täte ihr weh. Da ich aber nicht die gesamte Nachbarschaft beschallen kann hatte ich nun die Nase voll. Auf die erste Frage „Wie geht der Fernseher lauter?“ zeigte ich auf den Kopfhörer. Nach 3 Minuten kam die nächste Frage „SOS, wie geht der Fernseher lauter?“ Auch hier zeigte ich auf den Kopfhörer. „Nein, dann eben nicht!“.
„Gut“, dachte ich und legte den Kopfhörer wieder in die Ladestation. Keine drei Minuten später stand sie auf und setze sich den Kopfhörer wieder auf ….
Ich habe diverse Verhaltensweisen meiner Mutter, die Manipulation der Mitmenschen darstellen, verdrängt weil ich dieses als nachtragend empfand. Ich habe nur den Eindruck gewonnen, dass eben diese Verhaltensweisen wieder an den Tag treten und ich sehr wohl in Erinnerung halten muss wie ihr „gesundes“ Verhalten war. Auch möglich ist, dass diese Manipulation zu den gesünderen Zeiten auftritt, wo die Demenz eher in den Hintergrund tritt….
Die ersten ihrer Bilder, die sie malen ließ, habe ich bereits aufgehängt. Für ein paar – nicht für alle – weiteren ist noch Platz, aber alles das sind Dinge, die kann ich nicht von heute auf morgen vollziehen. Zumeist leiden Demenzkranke an einem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Erinnerungen, die weiter zurückliegen sind aber noch lebendig. So ist es vielleicht möglich eine vertraute Umgebung zu schaffen um dadurch die Erinnerungen aus der Jugendzeit lebendig zu halten. Vielleicht erhält sie dadurch die alltägliche Sicherheit zurück, die ihr die Krankheit genommen hat.